
Bild Livia Mauerhofer
Von Valerie Schlegel
Das Zuhause der Familie Wilkins ist gemütlich eingerichtet. An den Wänden hängen Familienbilder und Kinderzeichnungen und am Boden liegt Spielzeug. Zwei Hunde und zwei Kinder sorgen dafür, dass Laetitia und Donny Wilkins immer auf Trab gehalten werden. Donny Wilkins arbeitet als Oberstufenlehrer in Bonaduz. Seine Frau ist Abteilungsleiterin für Fischerei im Kanton Graubünden. Die Liebesgeschichte des Ehepaars begann in Disentis. Dort arbeitete Donny Wilkins als Lehrer für 15 Jahre in der Klosterschule. «Eine ganze Generation Oberländer durfte mit mir aufwachsen», scherzt er.
Doch Donny Wilkins lebte nicht schon immer in Graubünden. Seine erste Liebe war es, die ihn im Jahr 1990 von Texas in die Schweiz gezogen hat. Er konnte sich schnell für die Schweiz und später für Graubünden begeistern. So sehr, dass Donny Wilkins gar mit dem Gedanken spielte, seinen amerikanischen Pass abzugeben und für immer in der Schweiz zu leben. Doch als Laetitia Wilkins 2016 die Chance erhielt, mit einem Stipendium in Kalifornien zu forschen, überlegte er sich wieder, in Amerika Wurzeln zu schlagen. So zogen sie mit zwei kleinen Kinder nach Kalifornien. «Wenige Tage vor unserem Abflug in die USA gewann Donald Trump die Wahl», blickt Laetitia Wilkins zurück. Für beide eine grosse Überraschung – und keine der positiven Art. «Durch dieses Wahlergebnis hatten wir plötzlich Bedenken, nach Amerika zu ziehen», sagte Laetitia. Doch aufgehalten hat es die Familie nicht.
Protest mit rosa Mützen
Bei der Ankunft in Kalifornien spürte das Ehepaar auch in Teilen der Bevölkerung einen grossen Widerstand. Es habe gar Selbsthilfegruppen gegeben. Einerseits, um mit den Wahlergebnissen umzugehen, anderseits auch, um zu protestieren. Einer solchen Gruppe schloss sich auch Laetitia Wilkins an, und zwar in einer Strickgruppe. Zusammen strickten sie sogenannte «Pussyhats». Diese meist rosafarbenen Mützen, die an Katzenohren erinnern, waren Teil eines feministischen Widerstands gegen Trump.
Die vier Jahre, in der die Familie Wilkins in Kalifornien lebte, waren aber keinesfalls nur von Protesten oder negativen Erfahrungen geprägt. Ganz im Gegenteil: «Ich nehme so viel mit aus dieser Zeit, die mich grundsätzlich verändert hat», erklärt Laetitia Wilkins. Ihr Ehemann stimmt ihr mit einem Lächeln zu. Sie sieht einige Punkte, die ihr in der Schweiz fehlen. Beispielsweise die aufmerksame Sprache. In Kalifornien spreche man nicht verletzend und beziehe alle Geschlechter mit ein. Auch in den Gesetzesbüchern. In der Schweiz sei das noch nicht so ausgeprägt. Auch die Haltung gegenüber Einwanderern sei eine andere. «In Kalifornien werden die verschiedenen Kulturen vielerorts als eine Bereicherung und keine Belastung angesehen», so Laetitia Wilkins.
Aufbruch nach Europa
2020 zog die Familie schweren Herzens weg aus Kalifornien. Da die Familie keine fristlose Aufenthaltsbewilligung in den USA beantragt hatte, schien es für Laetitia Wilkins unmöglich, weiterhin Arbeit zu finden. Schliesslich zog es die Familie nach Deutschland, weil Laetitia Wilkins ein Jobangebot erhalten hatte. Der Umzug war mit hohen Erwartungen verbunden. «Ich war ein bisschen naiv. Ich dachte, Deutschland sei wie das Kalifornien in Europa. So war es dann nicht», bilanziert die Mutter. Da es der Familie nicht gefiel, führte sie die Reise weiter in die Schweiz, wo sie in Graubünden unterkamen. «In dem Kanton, wo unsere Geschichte begann», so Donny Wilkins.
Von Sorgen bestimmt
Und nun will Donald Trump ein zweites Mal zum Präsidenten der USA gewählt werden. Das besorgt die Familie. Eine Unsicherheit, die auch für eine Nichtwahl gilt, weil niemand wisse, wie er darauf reagiere. «Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das ist doch keine Demokratie, wenn man Angst hat, jemanden nicht zu wählen wegen der Reaktion darauf», meint Laetitia Wilkins.
Sowieso Konsequenzen hätte es, wenn sich Trump gegen Kamala Harris durchsetzt. Da ist sich Donny Wilkins sicher. Für die Aussenpolitik sei eine erneute Präsidentschaft von Trump verheerend. Aber auch für die Innenpolitik, weil er angekündigt habe, 25 Millionen Ausländer zu deportieren. Ob das wirklich so umgesetzt wird, bezweifelt Donny Wilkins zwar. Überzeugt ist er aber davon, dass eine Wahl Trumps schlimme Auswirkungen für die Ukraine hätte, die sich im Krieg mit Russland befindet. Ohne amerikanische Unterstützung bringe auch die Hilfe des Westens nicht viel. Die Eheleute hoffen deshalb klar auf Harris. Im Jahr 2019 waren beide an einer Rede der Kandidatin, als sie ihre erste Präsidentschaftskandidatur in Oakland verkündet hat. «Wir mussten beide weinen. Es war so inspirierend und schön», gab Laetitia Wilkins zu.