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Was wäre Schiers ohne den 81-jährigen Walter Widmaier?

Mit 81 Jahren unterhält Walter Widmaier die Natur- und Kunsteisbahn in Schiers. Bereits sein Leben lang sorgt sich der Prättigauer um diese Anlage. Im Gespräch erzählt er von seinem Lebensweg.

Walter Widmaier

Bild Olivia Aebli-Item

Von Valerie Schlegel

n Graubünden gibt es zahlreiche Eisflächen, sowohl natürliche als auch künstliche. Doch eine Anlage sticht besonders heraus: das Natureisfeld in Schiers. Mit seiner Lage auf nur rund 650 Metern über Meer zählt es zu den tiefstgelegenen Natureisfeldern der Region. In diesem Winter war es fast zwei Monate in Betrieb, doch nun neigt sich die Saison dem Ende zu. Das Kunsteisfeld in Schiers bleibt noch bis zum 2. März geöffnet. Danach verwandelt sich das ganze Areal und wird für den Schiesssport genutzt.

Die Seele der Schierser Eisbahnen

Obwohl die beiden Eisfelder vom Trägerverein Natur- und Kunsteisbahn finanziert und geführt werden, steckt besonders ein Mann all seine Ressourcen in das Projekt hinein. «Ob die Eisanlage der Schatz vom Prättigau ist, kann ich nicht sagen. Doch für mich ist sie es auf jeden Fall», erzählt Walter Widmaier mit seinem herzlichen Lächeln. Der 81-Jährige verbrachte den grössten Teil seines Lebens auf dieser Fläche, oder «ein Drittel», wie Widmaier scherzt. So kennt er die ganze Geschichte der Eisbahnen.

 

Erstes Spiel auf dem Kunsteis

Premiere: Bald fängt das erste Spiel auf dem Kunsteis in Schiers statt. (Pressebild)

Von der Leidenschaft gepackt

Wie nicht schwer zu erkennen: die Verwurzlung zwischen Widmaier und der Anlage sitzt tief. Errichtet wurde das Natureisfeld im Jahr 1948. «Dort war ich vier Jahre alt», erinnert sich Widmaier zurück. Gemäss ihm hat der damals kleine Junge die Schlittschuhe montiert und sich auf das Feld getraut, sobald die Möglichkeit da war.

Als Teenager wurde die Zeit auf dem Eis intensiver, weil er leidenschaftlich Eishockey spielte. Dadurch packte Widmaier immer häufiger mit an und machte das Eis. «Meine ganze Freizeit habe ich hier verbracht», erklärt der heutige Rentner. Und viele Jahre später prägt das Eisfeld immer noch sein Leben.

Walter Widmaier heute auf der Eismaschine
Walter Widmaier auf der ersten Eismaschine

Manche Dinge ändern sich nie - ausser die Eismaschine. (Bild Olivia Aebli-Item / Pressebild)

Der Mann für alles

Die Arbeiten an der Eisbahnanlage wurden über die Jahre immer mehr. So überwacht Widmaier beispielsweise heute die Finanzen, ist zuständig für das Personal, Reservationen und das Restaurant neben der Eisbahn, macht das Eis, räumt den Schnee und kümmert sich um die Natureisbahn. «Ich schätze es sehr, dass ich in meinen Jahren noch so fit bin», sagt Widmaier nachdenklich. Nicht alle aus seinem Umfeld würden dasselbe behaupten können.

 

Doch nicht nur die Eisbahn bestimmt sein Leben. Daneben ist er Vater, im Schützenverein Schiers tätig und hilft manchmal im Maler- und Gipser-Unternehmen seines Sohnes aus, welches Widmaier damals gründete. Langweilig wird es ihm also nicht. Aber wird er von der ganzen Arbeit nicht langsam müde? Widmaier antwortet darauf mit einem klaren «Nein». Er mache all dies mit seinem Herzen und habe Spass an dem, was er tue.

Walter Widmaier auf der Schneefräse

Nicht nur Eis, sondern auch Schnee: Walter Widmaier befreit das Eis vom gefallenen Schnee mit seiner Schneefräse.
(Bild Olivia Aebli-Item)

Die harte Arbeit hat emotionale Gründe

Die beiden Eisbahnen beanspruchen die meiste Zeit von Widmaier. «Ich tue all dies hauptsächlich für die Kinder», erklärt der 81-Jährige. Von allen umliegenden Gemeinden und Ortschaften kämen die Kinder. Und die umliegenden Schulen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, am Morgen jeweils aufs Eis zu dürfen.

Widmaier hat selbst Kinder. Zwei Töchter und einen Sohn, doch die eine Tochter starb mit 56 Jahren an Krebs. Vor drei Jahren folgte dann Widmaiers zweiter Schicksalsschlag. Seine Ehefrau verstarb ebenfalls an Krebs. «Man kann nichts dagegen machen», sagt der 81-Jährige. Dafür hat Widmaier neue Personen in seinem Leben. «Ich bin nämlich schon Urgrossvater», sagt der Schierser voller Stolz und zeigt Familienbilder. Seine Urenkelin sei gerade zwei Jahre alt geworden. Vor Kurzem habe sie sich angeblich sogar aufs Eis gewagt.

Einen Blick in die Zukunft

Nach all diesen Jahren ist immer noch kein Ende in Sicht. Wie lange er diese Arbeit noch verrichten wird, weiss Widmaier selbst nicht. «Ich weiss nicht, wie lange ich noch lebe», entgegnet Widmaier lächelnd. Momentan sei es für ihn kein Problem, an verschiedenen Orten auszuhelfen. Doch das funktioniere nur, wenn er weiterhin gesund bleibe.

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