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So helfen Tiere dem an MS erkrankten Marcel Gmünder

Marcel Gmünder leidet an Multipler Sklerose (MS). Derzeit ist er im Rehazentrum in Valens. Dort trifft er auf zwei ungewöhnliche Therapeuten: Bilboa und Tommy. 

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Bild Olivia Aebli-Item

Von Valerie Schlegel

Mit einem Lächeln im Gesicht begrüsst uns Claudia Capeder im Rehazentrum Valens. Sie ist Fachtherapeutin für Hippotherapie. Capeder führt uns durch die Gänge der riesigen Klinik. Als wir in einem grossen Raum mit unzähligen Fitnessgeräten angekommen sind, warten bereits mehrere Patientinnen und Patienten auf ihre Therapie. Capeder begrüsst die wartenden Menschen. Einer von ihnen ist Marcel Gmünder. Er ist bald 73 Jahre alt. Heute ist sein letzter Tag in der Klinik. «Nach dem heutigen Tag geht es für mich wieder nach Hause nach Zürich», meint Gmünder mit einem strahlenden Gesicht. Bevor Gmünder aber nach Hause geht, hat er heute noch einige Übungen vor sich. Für die nächste Therapie reitet der Pensionär ein Pferd.

Die Pferde aus Valens: Tommy und Bilboa 

Hippotherapie sei eigentlich Physiotherapie mithilfe von Pferden, erklärt die Fachtherapeutin Capeder auf dem Weg nach draussen. Das Rehazentrum Valens hat zwei Kleinpferde, Tommy und Bilboa. Zwar sind die beiden nicht die Schnellsten, sie sind aber ruhig und sensibel. Mit den kühlen Wetterbedingungen sind die beiden sehr zufrieden, denn Tinker-Pferde bevorzugen den Winter. Im Sommer stören die Fliegen ihre Arbeit. Ob die Patientinnen und Patienten auf Bilboa oder Tommy reiten, hängt alleine vom Gewicht und Grösse der Reiterinnen und Reiter ab. Während Tommy eher klein und feingliedrig ist, wiegt Bilboa ein bisschen mehr und ist grösser. 

Ein Videoeinblick in die Hippotherapie in Valens: 

Video Suela Tuena

Auf die Plätze, fertig, los!

Der Patient Gmünder erhält das Kleinpferd Tommy. Doch zuerst kleidet er sich mit der richtigen Ausrüstung ein. Mit Helm und Gurt geht er nun eine Treppe hoch und steigt schliesslich auf Tommy. Nach einer kurzen Kontrolle, ob Gmünder auch wirklich in einer guten Position sitzt, kann es bereits losgehen. Cindy Kohler ist die Pferdeführerin und widmet sich während der Therapie ganz dem Kleinpferd. Capeder konzentriert sich derweil ganz auf Gmünder und erklärt ihm die einzelnen Schritte der Therapie. 

Nicht nur süss, sondern auch hilfreich

Die Therapie mit den Pferden hilft besonders Personen mit zentralen Bewegungsstörungen. Auch Gmünder ist von einer solchen Krankheit betroffen. «Multiple Sklerose hiess die Diagnose im Jahr 1986. Viele kennen es besser als MS», erklärt der Pensionär. MS ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Verlauf ist meist unvorhersehbar und individuell. Gmünders Erkrankung verläuft relativ moderat. «Ich habe das Glück, dass es sich nicht von heute auf morgen verschlechtert», meint er. Es sei ein schleichender Prozess. Er hat eine Spastik in seinem linken Bein. Auch kämpft Gmünder mit Schwindelanfällen und Gleichgewichtsstörungen. Das Reiten und die Therapien helfen ihm. «Man merkt eine Lockerung der Muskulatur. Die Bewegungen auf dem Pferd macht man ja sonst im Alltag niemals», erklärt Gmünder. 

Heute akzeptiert der Patient sein Leben mit MS. Früher hingegen war es ein grosser Schock: «Nach meiner Diagnose habe ich nie eine Beziehung gesucht. Deshalb habe ich keine Frau und keine Kinder.» Für Gmünder ist das nicht unbedingt etwas Negatives. Es erleichtere seinen Prozess um einiges.

Nach dem 20-minütigen Ausritt wartet bereits der nächste Patient im Vorraum auf das Kleinpferd. Deshalb verabschiedet sich Gmünder bei Tommy mit Streicheleinheiten: «Danke Tommy! Das hast du gut gemacht.» Dann zieht Gmünder weiter, denn auch er hat noch einige Therapien vor sich. Als Nächstes auf dem Programm steht das Laufband.

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