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«Ein Konsumraum im Welschdörfli wäre der Gnadenstoss für das Gastgewerbe»

Für ihre Petition gegen den Standort des Konsumraumes für Drogensüchtige erhält Johanna von Ott viel Zuspruch von Betrieben aus der ganzen Stadt Chur. So entstand ein offener Brief an den Stadtrat. 

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Bild Livia Mauerhofer

Von Valerie Schlegel

In der Petition «Drogenfreies Welschdörfli» kritisiert Johanna von Ott den neuen geplanten Standort des Konsumraumes für Drogensüchtige scharf. Als Geschäftsführerin des Lokals «Twelve» argumentiert sie, dass ein Konsumraum im Welschdörfli keine sichere und langfristige Lösung biete – besonders nicht für das lokale Gewerbe. Obwohl die Petition noch bis am 18. Januar läuft, haben bereits über 470 Personen unterschrieben.

Nach dem Start der Petition meldeten sich viele Betriebe bei von Ott. «So viele Menschen wollten mich unterstützen, da wusste ich sofort, was zu tun ist», erklärt von Ott. Sie übergab einen offenen Brief an Stadtrat Patrik Degiacomi, unterschrieben von zahlreichen Betriebsinhabern und Betriebsinhaberinnen. Darunter waren nicht nur die bekannten Nachtklubs in der Ausgangsmeile Welschdörfli, sondern auch Restaurants, Hotels oder Coiffeursalons in der Altstadt oder der Grabenstrasse. 

Der «Gnadenstoss» für das Gastgewerbe

Der Brief wiederholt manche Argumente der Petition. Die Kernaussage ist klar: Viele Betriebe rund um den geplanten Konsumraum lehnen die Standortwahl ab. Der Brief weist darauf hin, dass sich das Gastgewerbe der Stadt Chur auch ohne Konsumraum vielen Probleme stellen muss. Im Brief genannt werden Bettel- und Bandenkriminalität, Verkauf von Diebesgut, grossflächig organisierter offener Drogenhandel auf den Strassen und in oder um Wohngebäude, aber auch illegale Prostitution. «Die aktuelle Situation alleine macht uns bereits zu schaffen. Der Konsumraum im Welschdörfli wäre der Gnadenstoss für uns», sagt von Ott frustriert dazu.

Finanzielle Mittel und Personal fehlen

Der Brief betont auch, die Stadtpolizei Chur und die Kantonspolizei Graubünden würden alles in ihrer Macht Stehende tun, die aktuelle Problemlage in Chur zu verbessern. Es wird einzig bemängelt, dass die beiden Instanzen zu wenig Personal sowie finanzielle Mittel zur Verfügung hätten, um ihre Arbeit effizient zu vollbringen. Ausserdem fordert von Ott eine Szenenpolizei für das Welschdörfli: «So wie es bereits am Bahnhof Chur eine Einheit gibt, würde es bei uns auch Sinn machen.» 

Neue Familienblöcke neben dem Konsumraum

Ein weiterer Punkt, der im Brief angeführt wird, sind die aktuellen Baupläne im Welschdörfli. Im gemischten Viertel wird es in Zukunft mehr Wohnraum für Familien geben. Für von Ott stehen diese Pläne im Widerspruch zum Standort des Konsumraumes. Ausserdem kritisiert die Geschäftsführerin, dass bei der Orientierung der Stadt Chur für die Anwohner und Anwohnerinnen die bereits seit Jahren geplanten Baupläne nicht erwähnt wurden.

Neue Familienblöcke neben dem Konsumraum

Die Stadt hat den Brief am 9. Dezember zur Kenntnis genommen. Stadtrat Patrik Degiacomi hat daraufhin alle Unterzeichnenden des offenen Briefes zum Austausch am 20. Januar eingeladen. In der Einladung schreibt Degiacomi, der Stadt und dem Kanton liege sehr viel daran, ein gelingendes Nebeneinander zu ermöglichen, unabhängig davon, wo das Projekt eingerichtet werde. 

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